Biometrische Methoden

Auf der Basis der Methodischen Grundlagen erarbeitet das IQTIG biometrische Auswertungskonzepte zur Ermittlung und Bewertung der Versorgungsqualität und stellt diese transparent dar. Dies erfordert die Anwendung und Weiterentwicklung wissenschaftlich fundierter biometrischer Methoden.

Beispiele dafür sind die Schätzung der zugrundeliegenden Kompetenz von Versorgern durch Indikatorergebnisse sowie die Quantifizierung der Unsicherheit dieser Schätzungen, die statistische Auffälligkeitseinstufung von Versorgern und die Risikoadjustierung.

Biometrische Methoden kommen auch bei der Entwicklung und Validierung von neuen Qualitätskennzahlen zur Anwendung. Beispiele hierfür sind Follow-up-Kennzahlen, welche die Behandlungsqualität auch für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt abbilden sollen oder Kennzahlen, die auf Patientenbefragungen basieren. Das IQTIG entwickelt darüber hinaus biometrische Auswertungs- und Berichtskonzepte u.a. für Analysen zum Zusammenhang von Fallzahl und Versorgungsqualität und zur Datenvalidierung.

Die biometrischen Auswertungskonzepte des IQTIG basieren auf klassischen und modernen biometrischen Methoden und Techniken. Dazu zählen unter anderem:

  • (Gemischte) multiple Regressionsmodelle
  • Bayesianische Ansätze
  • Splines und glatte Modellierung
  • Prognose- und Klassifikationsmodelle
  • Überlebenszeitanalysen
  • Stichprobendesign
  • Kausale Inferenz
  • Hypothesentests.

Statistische Auswertungen sind gerade dann besonders effektiv, wenn die zu beantwortende Fragestellung eindeutig identifiziert ist und die Ergebnisse klar und verständlich zur Beantwortung der Fragestellung kommuniziert werden. Daher arbeitet das IQTIG fortlaufend an der Präsentation und Darstellung von Analyseergebnissen und Unsicherheit.

Symbolische Darstellung von Ergebnissen biometrischer Analysen des IQTIG zur Versorgungsqualität als Funnelplot.

Abbildung: Beispielhafte Darstellung von Ergebnissen biometrischer Analysen des IQTIG zur Versorgungsqualität als Funnelplot.

Veröffentlichungen des IQTIG zu biometrischen Methoden

Um Analysen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft anzubieten, beteiligt sich das IQTIG am internationalen Forschungsdiskurs zur biometrischen Auswertungsmethodik in der Qualitätssicherung, beispielsweise durch die Veranstaltung wissenschaftlicher Workshops oder durch methodische Publikationen in Fachzeitschriften.

Veröffentlichungen des IQTIG zu biometrischen Methoden sind:

Biometrische Methodik bei Follow-up-Kennzahlen

Die Auswertungsmethodik von Follow-up-Indikatoren nach der "Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern" (QSKH-RL) wird im Dokument „Biometrische Methodik für die Follow-up-Indikatoren nach QSKH-RL für die Bundesauswertung des Auswertungsjahres 2017“ ausgeführt.

Das Dokument beschreibt grundsätzliche Strategien für die Auswertung von Follow-up-Indikatoren in der der externen Qualitätssicherung. Es ergänzt damit die „Ereigniszeitanalyse-Methodik für die Follow-up-Indikatoren nach QSKH-RL“. In dem Dokument wird außerdem die Methodik zur Auswertung der Follow-up-Indikatoren in den Qualitätssicherungsverfahren Herzschrittmacherversorgung sowie Hüft-und Knie-Endoprothesenversorgung für das Erfassungsjahr 2017 konkret beschrieben, sowie ein Ausblick auf zukünftige Erfassungsjahre gegeben. Es ergänzt den entsprechenden Abschnitt in den Methodischen Grundlagen des IQTIG mit biometrischen Details. Seit dem Erfassungsjahr 2020 bzw. 2021 sind die Follow-up-Indikatoren Teil der "Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung" (DeQS-RL).

Biometrische Methodik bei Patientenbefragungen

Die Methodik zur Auswertung von Qualitätsindikatoren basierend auf Patientenbefragungen ist im Abschlussbericht „Entwicklung von Patientenbefragungen im Rahmen des Qualitätssicherungsverfahrens Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ dargestellt.

Im Bericht sind einerseits die Anforderungen an die statistische Methodik im Sinne einer fairen, belastbaren und transparenten Auswertung auf Basis von Patientenantworten dargestellt. Darüber hinaus enthält der Bericht eine vollständige formale Beschreibung der Auswertungsmethodik. Das IQTIG stellt zudem eine Implementation dieser Methodik als R-Paket zur Verfügung. Die beschriebene Methodik findet derzeit  Anwendung bei der Entwicklung weiterer Qualitätssicherungsverfahren mit Patientenbefragung durch das IQTIG sowie im demnächst anlaufenden Regelbetrieb für Patientenbefragungen im Verfahren Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie(QS PCI).

Implementierung der biometrischen Methoden in R

Die biometrischen Methoden werden am IQTIG in der Programmiersprache R implementiert, einer Open-Source-Softwareumgebung für Datenanalyse und statistische Modellierung. So können methodische Ansätze mit klaren Anforderungen an die Qualität der Umsetzung für die tägliche Anwendung bereitgestellt werden. Durch eine effektive Zusammenführung von Theorie und Praxis sorgt dies für ein hohes Maß an Reproduzierbarkeit und Transparenz der Analysen.

Das IQTIG ist Mitglied des internationalen R-Konsortiums und nutzt R für interne Analysen, sowie seit 2018 auch für die nachvollziehbare Darstellung der Operationalisierung von Rechenregeln bei Qualitätsindikatoren.

Im Sinne der methodischen Transparenz veröffentlicht das IQTIG für ausgewählte biometrische Methoden auch Open-Source-Quellcode, welcher numerische Details der Berechnungen illustriert.

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