Qualitätssicherungsverfahren

Das IQTIG entwickelt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) extern vergleichende Qualitätssicherungsverfahren und beteiligt sich an deren Durchführung. Grundlage dafür ist die "Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL).

Weiterführende Informationen zu den für die Arbeit des Institutes relevanten Richtlinien des G-BA finden Sie hier.

Auswirkungen von Corona auf die externe Qualitätssicherung

Im Zusammenhang mit der Pandemie mit SARS-CoV-2 hat der G-BA zeitlich befristete Sonderregelungen in Bezug auf seine regulären Richtlinienbestimmungen getroffen. Einige davon beziehen sich auf die externe Qualitätssicherung. Eine Übersicht aller Beschlüsse finden Sie auf der Website des G-BA.

Übersicht über QS-Versorgungsbereiche und QS-Verfahren

Die im Folgenden dargestellten QS-Verfahren gruppieren sich in zwölf Versorgungsbereiche mit jeweils einem oder mehreren QS-Verfahren. Die ersten zehn Versorgungsbereiche sind alphabetisch nach medizinischen Fachbereichen angeordnet. Danach folgen zwei thematisch übergreifende Versorgungsbereiche (Hygiene und Infektionsmanagement, Entlassmanagement).

Weiterführende Informationen zu den QS-Verfahren, die das IQTIG im Auftrag des G-BA durchführt, finden Sie hier.

Gefäßchirurgie

In der Gefäßchirurgie bezieht sich die gesetzlich verpflichtende Qualitätssicherung auf eingreifende (invasive) Therapieformen, die sich dem Krankheitsbild der verengten Halsschlagader(n) widmen. Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung bzw. Verbesserung des Blutflusses (Karotis-Revaskularisation).

Eine Verengung der Halsschlagader (Karotis, lat. Arteria Carotis) geht mit einem erhöhten Risiko für Durchblutungsstörungen im Gehirn einher. Von einem Schlaganfall spricht man, wenn durch eine massive Verengung oder einen Verschluss der Karotis oder Abschwemmungen von Kalkablagerungen aus der Gefäßwand eine Mangeldurchblutung (Ischämie) des Gehirns entsteht. Dies ist ein medizinischer Notfall.

Hauptursache für die Verengung der Karotis ist die Arterienverkalkung. Durch eine Karotis-Revaskularisation lässt sich die Gefäßverengung behandeln, die Eingriffe erfolgen in der Regel einseitig, in seltenen Fällen auch beidseitig.

Gynäkologie

Gynäkologische Operationen umfassen generell alle Operationen an den inneren weiblichen Geschlechtsorganen. Der Versorgungsbereich Gynäkologie beinhaltet zwei QS­-Verfahren: Gynäkologische Operationen (QS GYN-OP) und Mammachirurgie (QS MC).

Kardiologie und Herzchirurgie

Der Versorgungsbereich Kardiologie und Herzchirurgie beinhaltet mehrere QS-Verfahren. Dabei befassen sich die einzelnen QS-Verfahren mit der operativen bzw. kathetergestützten Versorgung des Herzens sowie gegebenenfalls auftretenden Komplikationen.

Ist der Herzschlag aufgrund von Störungen der Reizbildung oder Reizleitung zu langsam (bradykarde Herzrhythmusstörung), werden, nach Ausschluss reversibler Ursachen, Herzschrittmacher eingesetzt. Bei lebensbedrohlichen, schnellen Herzrhythmusstörungen kommt ein zuvor implantierter Kardioverter-Defibrillator (implantable cardioverter-defibrillator, ICD) zum Einsatz, der zum Ziel hat, den schnellen Herzschlag zu normalisieren (QS-Verfahren Versorgung mit Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren).

Die bildgebende Darstellung der Herzkranzgefäße wird als Koronarangiographie bezeichnet. Eine anschließende perkutane Koronarintervention (PCI) ermöglicht die Aufdehnung von Verengungen der Herzkranzgefäße mittels Ballon bzw. Stent (QS-Verfahren Perkutane Koronarangiographie (PCI) und Koronarangiographie).

Kann die Verengung der Herzkranzgefäße nicht durch eine PCI erfolgen, ist eine Bypass-Operation notwendig. Erkrankungen der Herzklappen (undichte bzw. verengte Klappen) können sowohl kathetergestützt als auch offen-chirurgisch versorgt werden (QS-Verfahren Koronarchirurgie und Eingriffe an Herzklappen).

Perinatalmedizin

Im Versorgungsbereich Perinatalmedizin geht es einerseits um die geburtshilfliche Versorgung von Mutter und Kind im Zeitraum kurz vor bis kurz nach der Geburt (Geburtshilfe). Andererseits wird die Versorgung und Behandlung von Neu- bzw. Frühgeborenen (Neonatologie) betrachtet.

Pflege

Ein Dekubitus ist eine durch länger anhaltenden Druck entstandene Wunde der Haut bzw. des darunterliegenden Gewebes. Er stellt eine sehr ernst zu nehmende Komplikation bei zu pflegenden Patientinnen und Patienten dar.

Psychiatrische und Psychotherapeutische Versorgung

Im Versorgungsbereich Psychiatrie entwickelt das IQTIG derzeit zwei QS-Verfahren: Ambulante Psychotherapie und Schizophrenie. Hinzu kommt eine neue Strukturabfrage auf Basis der Richtlinie zur Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-RL).

Transplantationsmedizin und Nierenersatztherapie

Im Versorgungsbereich Transplantationsmedizin und Nierenersatztherapie sind mehrere getrennt betrachtete QS-Verfahren vereint. Die einzelnen Verfahren nehmen unter anderem ggf. auftretende Komplikationen sowie das (Langzeit-)Überleben der Patientinnen und Patienten in den Blick.

Das QS-Verfahren Transplantationsmedizin (QS TX) betrachtet Nierenlebendspenden, Lebertransplantationen und Leberlebendspenden, Lungentransplantationen, Herztransplantationen und Herz-Lungen-Transplantationen sowie den Einsatz von Herzunterstützungssystemen/Kunstherzen.

Das QS-Verfahren Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET) betrachtet neben Pankreastransplantationen, Nierentransplantationen und kombinierten Pankreas-Nieren-Transplantationen, Patientinnen und Patienten die eine ambulanten oder teilstationäre Dialyse erhalten.

Die QS-Verfahren zum Follow-up betrachten das Überleben sowie z.T. auch die Organfunktion von Patientinnen und Patienten ein, zwei oder drei Jahre nach einer Transplantation.

Urologie

Die Urologie beschäftigt sich mit den harnbildenden und harnableitenden Organen (Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre bei beiden Geschlechtern) sowie den männlichen Geschlechtsorganen (z.B. Prostata, Hoden, Samenleiter). In diesem Versorgungsbereich entwickelt das IQTIG derzeit das neue QS-Verfahren Lokal begrenztes Prostatakarzinom.

Viszeralchirurgie

Im QS-Verfahren Cholezystektomie (QS CHE) werden stationär durchgeführte Gallenblasenentfernungen (Cholezystektomien) bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten fokussiert.

In Deutschland werden jährlich rund 175.000 Cholezystektomien (Entfernung der Gallenblase) durchgeführt, wobei in ca. 90 Prozent aller Fälle die Cholezystektomie laparoskopisch, d. h. mittels sogenannter Schlüssellochchirurgie, vorgenommen wird.

Neuere Verfahren, bei denen der operative Zugang über natürliche Körperöffnungen (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery, NOTES) wie beispielsweise die Scheide erfolgt, können hinsichtlich ihrer Risiken noch nicht sicher eingeschätzt werden. In seltenen Fällen kann auch eine Entfernung der Gallenblase im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten Bauchoperation sinnvoll und notwendig sein (Begleitcholezystektomie).

Bei der operativen Versorgung eines Gallensteinleidens können vereinzelt schwerwiegende Komplikationen wie z. B. Verletzungen der Gallenwege oder der Blutgefäße auftreten. Die Häufigkeit solcher Ereignisse wird im QS-Verfahren Cholezystektomie (QS CHE) beobachtet und analysiert.

Das Verfahren ist seit dem 1. Januar 2019 im Regelbetrieb. Es war eines von drei QS-Verfahren, welche als erste unter der 2018 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen „Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung“ (DeQS-RL) geregelt wurden.

Hygiene und Infektionsmanagement

Der Versorgungsbereich Hygiene und Infektionsmanagement umfasst zwei QS-Verfahren im Regelbetrieb zu ambulant oder stationär erworbenen Infektionen: Das Verfahren zur Ambulant erworbenen Pneumonie (QS CAP) und das Verfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI). Ein drittes Verfahren zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Sepsis befindet sich in der Entwicklung.

Entlassmanagement

Reibungslose Übergänge an den Schnittstellen zwischen der (teil-)stationären Behandlung in einem Krankenhaus und der weiterführenden Versorgung im ambulanten oder einem anderen stationären Umfeld sind die Voraussetzung, um die Qualität der Versorgung von Patientinnen und Patienten sicherzustellen und Versorgungsbrüche zu vermeiden. Das IQTIG entwickelt dazu ein neues QS-Verfahren Entlassmanagement.

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