Die Anwendung von planungsrelevanten Qualitätsindikatoren

Seit 2016 gibt es planungsrelevante Qualitätsindikatoren, die qualitätsorientierte Entscheidungen in der Krankenhausplanung ermöglichen sollen. Es handelt sich um elf Indikatoren, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) aus den drei Fachgebieten Geburtshilfe, Gynäkologische Operationen und Mammachirurgie auf Vorschlag des IQTIG ausgewählt wurden.

Die Anwendung der elf planungsrelevanten Qualitätsindikatoren hat der G-BA in der Richtlinie zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren (plan. QI-RL) geregelt. Diese Richtlinie wurde 2017 erstmalig umgesetzt. Aktuell liegen die Ergebnisse aus dem Jahr 2018, dem zweiten Jahr der Umsetzung, vor.

Datenerfassung und Bewertung der Ergebnisse

2018 wurden in insgesamt 1063 Krankenhausstandorten Daten zur medizinischen Versorgung in den drei Fachgebieten Geburtshilfe, Gynäkologische Operationen und Mammachirurgie erfasst. Dabei wird für jede behandelte Patientin und jeden behandelten Patienten eine elektronische Falldokumentation erstellt.

Diese Daten werden auf Landesebene gesammelt und quartalsweise an das IQTIG weitergeleitet.

Beim IQTIG wurden für jeden Krankenhausstandort die Ergebnisse der planungsrelevanten Indikatoren berechnet und bewertet.

Zur Bewertung der Ergebnisse der einzelnen Krankenhausstandorte werden die Indikatorwerte mit einer Qualitätsanforderung (dem Referenzbereich) verglichen. Falls die Qualitätsanforderung nicht erfüllt wird, folgt eine Prüfung, ob eine statistische Auffälligkeit vorliegt. Eine statistische Auffälligkeit zeigt an, dass das Ergebnis eines Krankenhausstandorts trotz Berücksichtigung möglicher zufallsbedingter Einflüsse die Qualitätsanforderung nicht erfüllt.

Abbildung 1 zeigt Datenerfassung und Bewertung der Ergebnisse im Überblick.

 

Abbildung 1: Datenerfassung und Bewertung der Ergebnisse

 

Eine Besonderheit sind die sog. Sentinel-Event-Indikatoren, die seltene Ereignisse von besonderer Bedeutung erfassen. Das Auftreten dieser Ereignisse ist ein Hinweis auf mögliche schwerwiegende Behandlungsfehler, die ggf. zwingend eine weitere Überprüfung in einem Stellungnahmeverfahren zur Folge haben. Ein Standort wird statistisch auffällig, wenn Sentinel-Events in mehr als 1% der Behandlungsfälle auftreten. Dies bedeutet: bei bis zu 99 Behandlungsfällen im Jahr führt bereits ein Ereignis zur statistischen Auffälligkeit des Standorts. Ein Beispiel ist die nicht rechtzeitige Durchführung des Notfallkaiserschnitts – sobald bei einem Notfallkaiserschnitt eine Zeitdauer von 20 Minuten von der Entscheidung zu diesem Eingriff bis zur Geburt des Kindes überschritten wird, kann der betreffende Krankenhausstandort auffällig werden.

Überprüfung der Daten

Die Ergebnisse zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren können für die Krankenhäuser erhebliche Konsequenzen haben. Aus diesem Grund wird die Datengrundlage eingehend überprüft. Diese Überprüfung (die sog. Datenvalidierung) erfordert, dass die von den Krankenhäusern an das IQTIG übermittelten Daten zu den Behandlungsfällen mit den Aufzeichnungen in der Patientenakte verglichen werden. Aufgedeckte Fehler in den übermittelten Daten werden korrigiert; es erfolgt eine Neuberechnung der Indikatorwerte mit den korrigierten Daten.

    Abbildung 2: Datenüberprüfung

     

    Die Datenvalidierung findet in den folgenden Fällen statt (vgl. Abbildung 2):

    • Bei statistischer Auffälligkeit der aktuellen Ergebnisse für die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren. Die Krankenhausstandorte haben allerdings die Möglichkeit, eine Erklärung abzugeben, dass ihre elektronische Dokumentation korrekt vorgenommen wurde. Wenn diese Zusicherung gegeben wird, kann auf die Datenvalidierung verzichtet werden.
    • Bei statistischer Auffälligkeit im Vorjahr
    • Bei einer Zufallsstichprobe aller Krankenhausstandorte, unabhängig von statistischer Auffälligkeit
    • Bei einer Zufallsstichprobe derjenigen Krankenhausstandorte, die ihre Daten verspätet lieferten oder bereits gelieferte Daten verändert haben (sog. Nachlieferer).

    Stellungnahmeverfahren

    Erst nach Überprüfung der Daten und der ggf. erforderlichen Neuberechnung der Ergebnisse zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren stehen die statistischen Auffälligkeiten fest.

    2018 gab es bei den elf planungsrelevanten Qualitätsindikatoren nach Abschluss der Datenvalidierung 113 statistische Auffälligkeiten, verteilt auf 105 von insgesamt 1063 Krankenhausstandorten. Für einige Standorte lag statistische Auffälligkeit für mehr als einen Indikator vor.

    Im Stellungnahmeverfahren (Abbildung 3) wird geklärt, ob eine statistische Auffälligkeit als Qualitätsproblem zu werten ist oder ob ein Ausnahmetatbestand das abweichende Ergebnis erklären kann.

     

    Abbildung 3: Stellungnahmeverfahren

     

    Die Krankenhausstandorte mit statistisch auffälligen Ergebnissen werden durch das IQTIG gebeten, zu ihren Ergebnissen Stellung zu nehmen. Eingehende Stellungnahmen werden durch das IQTIG mit Unterstützung von Fachkommissionen geprüft. Wenn das Krankenhaus nachvollziehbar erklären kann, dass sein statistisch auffälliges Ergebnis nicht auf ein Qualitätsproblem zurückzuführen ist, weil eine besondere Versorgungssituation vorlag (ein Ausnahmetatbestand), erhält der betreffende Standort die Bewertung „zureichende Qualität“.

    Sofern keine Gründe für das statistisch auffällige Ergebnis vorgetragen werden können, welche die Fachkommission als Ausnahmetatbestand akzeptiert, führt dies zu einer Bewertung als „unzureichende Qualität“.

    Die Bewertung als „unzureichende Qualität“ oder „zureichende Qualität“ bezieht sich hierbei auf die Qualitätsanforderung des jeweiligen Indikators. Das bedeutet, dass die veröffentlichten Ergebnisse der elf Qualitätsindikatoren nur eine Bewertung einzelner Qualitätsaspekte, jedoch keine Bewertung der Qualität der Versorgung im Fachgebiet insgesamt, einer Fachabteilung oder eines Krankenhauses in seiner Gesamtheit zulassen.

    Ergebnisse und Konsequenzen

    2018 wurden im Stellungnahmeverfahren 65 von 113 statistischen Auffälligkeiten als "unzureichende Qualität" bewertet. Statistische Auffälligkeiten mit dieser Bewertung gab es an 61 Krankenhausstandorten. Bei einigen Krankenhäusern erfolgte die Bewertung "unzureichende Qualität" für mehr als einen planungsrelevanten Qualitätsindikator.

    Der Abbildung 4 ist zu entnehmen, wie mit diesen Ergebnissen weiter verfahren wird.

    Die Ergebnisse zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren werden seit dem Jahr 2018 veröffentlicht. Standortbezogene Ergebnisse für alle beteiligten Krankenhäuser werden auf den Internetseiten des G-BA angeboten. Außerdem veröffentlichen die einzelnen Krankenhäuser die Ergebnisse für planungsrelevante Qualitätsindikatoren in ihren strukturierten Qualitätsberichten.

     

    Abbildung 4: Konsequenzen

     

    Die Ergebnisse zu den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren werden außerdem den jeweiligen Landesplanungsbehörden, den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen zur Verfügung gestellt. Die Landesplanungsbehörden entscheiden, inwieweit diese Ergebnisse bei der Krankenhausplanung des betreffenden Landes berücksichtigt werden.

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