Qualitätssicherungsverfahren

Das IQTIG entwickelt als fachlich unabhängiges, wissenschaftliches Institut für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G‐BA) Qualitätssicherungsverfahren (QS‐Verfahren) und beteiligt sich an deren Durchführung.

Grundlage sind die „Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern“ – kurz QSKH-RL – und die „Richtlinie zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung“ – kurz Qesü-RL. Alle in Deutschland nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäuser sind daran gebunden. Unter bestimmten Voraussetzungen gelten die Regelungen zur einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung aber auch für Vertragsärzte und Vertragszahnärzte, medizinische Versorgungszentren oder auch Krankenkassen.

23 Qualitätssicherungsverfahren im Erfassungsjahr 2018

Derzeit führt das IQTIG 23 QS‐Verfahren durch: 21 nach QSKH-Richtlinie, zwei nach Qesü-Richtlinie.

Ab dem Erfassungsjahr 2018 sind nach Anlage 1 der QSKH-RL die Verfahren Geburtshilfe und Neonatologie zu einem QS-Verfahren Perinatalmedizin sowie die drei Verfahren „Implantierbare Defibrillatoren – Aggregatwechsel, Implantierbare Defibrillatoren - Implantation, Implantierbare Defibrillatoren - Revision/Systemwechsel/Explantation“ zu einem QS-Verfahren „Implantierbare Defibrillatoren“ zusammengefasst. Sie werden aber für das aktuelle Erfassungsjahr weiterhin über getrennte Dokumentationsbögen erfasst und auch in getrennten Auswertungen dargestellt.

Mit dem Verfahren Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie ist Anfang 2016 erstmals ein sektorenübergreifendes Verfahren gestartet. Es betrifft Untersuchungen und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen bei Patientinnen und Patienten, bei denen ein Herzinfarkt droht oder akut abgewendet werden soll.

Am 1. Januar 2017 ist das sektorenübergreifende QS-Verfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen gestartet. Qualitätsgesichert werden chirurgische Eingriffe, die an Krankenhäusern (ambulant und stationär) oder durch niedergelassene Ärzte ausgeführt werden. Darüber hinaus werden bei allen teilnehmenden Krankenhäusern und Arztpraxen Daten für Indikatoren zum Hygiene- und Infektionsmanagement erhoben.

Indirekte und direkte Qualitätssicherungsverfahren

In der „Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern“ – kurz QSKH-Richtlinie - wird nach „Indirekten Verfahren“ und „Direkten Verfahren“ unterschieden.

Für „Indirekte Verfahren“ sind die Datenannahmestellen auf Landesebene verantwortlich. Das können entweder Landesgeschäftsstellen für Qualitätssicherung (LQS) sein oder Landeskrankenhausgesellschaften (LKG) bzw. Kassenärztliche Vereinigungen (KV). Sie erstellen dann zum Beispiel Auswertungen für die Krankenhäuser und führen Strukturierte Dialoge durch.

Bei den „Direkten Verfahren“ werden die Daten direkt vom Leistungserbringer, also dem Krankenhaus, an das IQTIG zur Auswertung und Beurteilung versandt. Weitere Unterschiede sind die Fallzahlen oder die Zahl der dokumentationspflichtigen Krankenhäuser.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren

Landesarbeitsgemeinschaften organisieren Qualitätssicherung

Auch die für die Umsetzung erforderlichen organisatorischen Strukturen sind weiter gefasst. Auf Bundeslandebene, oder bundeslandübergreifend werden Landesarbeitsgemeinschaften (LAGen) gegründet. Träger sind die Kassenärztlichen Bundesvereinigungen (KVen), Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigungen (KZVen), Landeskrankenhausgesellschaften (LKGen) und die Verbände der Krankenkassen einschließlich Ersatzkassen.

Sektorenübergreifende Fachkommissionen helfen bei der Ergebnisauswertung

Zur Unterstützung bei der Durchführung ihrer QS-Aufgaben berufen die LAGen Fachkommissionen, die sich aus Experten aus dem ambulanten und stationären Bereich zusammensetzen. Die Kommissionen helfen bei der Ergebnisbewertung und können empfehlen ob und wie das Stellungnahmeverfahren eingeleitet wird und setzen ggf. beschlossene QS-Maßnahmen um.

Je ein IQTIG-Spezialistenteam pro Verfahrensgebiet

Die 23 Verfahren sind nach inhaltlichen Schwerpunkten geordnet, gruppiert in Verfahrensgebiete mit jeweils einem oder mehreren Verfahren. Für jedes Verfahrensgebiet ist vonseiten des IQTIG ein Team von zwei bis drei Mitarbeitern zuständig. Die Teams bestehen jeweils aus mindestens einem Arzt oder einer Ärztin, einer Gesundheitswissenschaftlerin oder einem Gesundheitswissenschaftler und einer Biometrikerin oder einem Biometriker. Jedes Team wird von einer Fachgruppe externer Experten beraten, die sich aus Fachleuten für den jeweiligen medizinischen Versorgungsbereich zusammensetzt. Diese Fachgruppen auf Bundesebene bzw. sektorenübergreifenden Expertengremien auf Bundesebene unterstützen die Teams des IQTIG bei der Bewertung der Ergebnisse und den jährlichen Anpassungen der jeweiligen QS‐Verfahren.