Qualitätssicherungsverfahren

Das IQTIG entwickelt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) extern vergleichende Qualitätssicherungsverfahren und beteiligt sich an deren Durchführung. Grundlage dafür ist die "Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL). Die zuvor maßgebliche "Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern" (QSKH-RL) wird auf Beschluss des G-BA zum 31. Dezember 2020 außer Kraft gesetzt. Alle QS-Verfahren aus dieser Richtlinie werden zum 1. Januar 2021 in die DeQS-RL überführt.

Weiterführende Informationen zu den für die Arbeit des Institutes relevanten Richtlinien des G-BA finden Sie hier.

Auswirkungen von Corona auf die externe Qualitätssicherung

Im Zusammenhang mit der Pandemie mit SARS-CoV-2 hat der G-BA zeitlich befristete Sonderregelungen in Bezug auf seine regulären Richtlinienbestimmungen getroffen. Einige davon beziehen sich auf die externe Qualitätssicherung. Dies betrifft u.a. das QS-Verfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI). Auf Beschluss des G-BA werden die einrichtungsbezogene QS-Dokumentation für das Erfassungsjahr 2020 sowie die fallbezogene QS-Dokumentation und Sozialdatenlieferung für das Erfassungsjahr 2021 ausgesetzt. Eine Übersicht aller Beschlüsse finden Sie auf der Website des G-BA.

Übersicht über QS-Versorgungsbereiche und QS-Verfahren

Die im Folgenden dargestellten QS-Verfahren sind nach inhaltlichen Schwerpunkten geordnet. Sie gruppieren sich in neun Versorgungsbereiche mit jeweils einem oder mehreren QS-Verfahren. Die Anordnung der Versorgungsbereiche orientiert sich dabei am Qualitätsreport des IQTIG. Darin informiert das Institut jährlich im Auftrag des G-BA ausführlich über die bundesweiten Ergebnisse der externen Qualitätssicherung.

Weiterführende Informationen zu den QS-Verfahren, die das IQTIG im Auftrag des G-BA durchführt, finden Sie hier.

Viszeralchirurgie

Im QS-Verfahren Cholezystektomie werden stationär durchgeführte Gallenblasenentfernungen (Cholezystektomien) bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten fokussiert. Das Verfahren ist seit dem 1. Januar 2019 im Regelbetrieb. Es war eines von drei QS-Verfahren, welche als erste unter der 2018 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenenRichtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung“ (DeQS-RL) geregelt wurden.

In Deutschland werden jährlich rund 175.000 Cholezystektomien (Entfernung der Gallenblase) durchgeführt, wobei in ca. 90 Prozent aller Fälle die Cholezystektomie laparoskopisch, d. h. mittels sogenannter Schlüssellochchirurgie, vorgenommen wird.

Neuere Verfahren, bei denen der operative Zugang über natürliche Körperöffnungen (Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery, NOTES) wie beispielsweise die Scheide erfolgt, können hinsichtlich ihrer Risiken noch nicht sicher eingeschätzt werden. In seltenen Fällen kann auch eine Entfernung der Gallenblase im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten Bauchoperation sinnvoll und notwendig sein (Begleitcholezystektomie).

Bei der operativen Versorgung eines Gallensteinleidens können vereinzelt schwerwiegende Komplikationen wie z. B. Verletzungen der Gallenwege oder der Blutgefäße auftreten. Die Häufigkeit solcher Ereignisse wird im QS-Verfahren Cholezystektomie (QS CHE) beobachtet und analysiert.

Gefäßchirurgie

In der Gefäßchirurgie bezieht sich die gesetzlich verpflichtende Qualitätssicherung auf eingreifende (invasive) Therapieformen, die sich dem Krankheitsbild der verengten Halsschlagader(n) widmen. Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung bzw. Verbesserung des Blutflusses (Karotis-Revaskularisation).

Eine Verengung der Halsschlagader (Karotis, lat. Arteria Carotis) geht mit einem erhöhten Risiko für Durchblutungsstörungen im Gehirn einher. Von einem Schlaganfall spricht man, wenn durch eine massive Verengung oder einen Verschluss der Karotis oder Abschwemmungen von Kalkablagerungen aus der Gefäßwand eine Mangeldurchblutung (Ischämie) des Gehirns entsteht. Dies ist ein medizinischer Notfall.

Hauptursache für die Verengung der Karotis ist die Arterienverkalkung. Durch eine Karotis-Revaskularisation lässt sich die Gefäßverengung behandeln, die Eingriffe erfolgen in der Regel einseitig, in seltenen Fällen auch beidseitig.

Hygiene und Infektionsmanagement

Der Versorgungsbereich Hygiene und Infektionsmanagement umfasst zwei QS-Verfahren zu ambulant oder stationär erworbenen Infektionen: Das Verfahren zur Ambulant erworbenen Pneumonie (PNEU) und das Verfahren Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen (QS WI).

Kardiologie und Herzchirurgie

Der Versorgungsbereich Kardiologie und Herzchirurgie beinhaltet mehrere QS-Verfahren. Dabei befassen sich die einzelnen QS-Verfahren mit der operativen bzw. kathetergestützten Versorgung des Herzens sowie gegebenenfalls auftretenden Komplikationen.

Ist der Herzschlag aufgrund von Störungen der Reizbildung oder Reizleitung zu langsam (bradykarde Herzrhythmusstörung), werden, nach Ausschluss reversibler Ursachen, Herzschrittmacher eingesetzt. Bei lebensbedrohlichen, schnellen Herzrhythmusstörungen kommt ein zuvor implantierter Kardioverter-Defibrillator (implantable cardioverter-defibrillator, ICD) zum Einsatz, der zum Ziel hat, den schnellen Herzschlag zu normalisieren (QS-Verfahren Versorgung mit Herzschrittmachern und implantierbaren Defibrillatoren).

Die bildgebende Darstellung der Herzkranzgefäße wird als Koronarangiographie bezeichnet. Eine anschließende perkutane Koronarintervention (PCI) ermöglicht die Aufdehnung von Verengungen der Herzkranzgefäße mittels Ballon bzw. Stent (QS-Verfahren Perkutane Koronarangiographie (PCI) und Koronarangiographie).

Kann die Verengung der Herzkranzgefäße nicht durch eine PCI erfolgen, ist eine Bypass-Operation notwendig. Erkrankungen der Herzklappen (undichte bzw. verengte Klappen) können sowohl kathetergestützt als auch offen-chirurgisch versorgt werden (QS-Verfahren Koronarchirurgie und Eingriffe an Herzklappen).

Transplantationsmedizin und Nierenersatztherapie

Im Versorgungsbereich Transplantationsmedizin und Nierenersatztherapie sind mehrere getrennt betrachtete QS-Verfahren vereint. Die einzelnen Verfahren nehmen unter anderem ggf. auftretende Komplikationen sowie das (Langzeit-)Überleben der Patientinnen und Patienten in den Blick.

Das QS-Verfahren Transplantationsmedizin betrachtet Nierenlebendspenden, Lebertransplantationen und Leberlebendspenden, Lungentransplantationen, Herztransplantationen und Herz-Lungen-Transplantationen sowie den Einsatz von Herzunterstützungssystemen/Kunstherzen.

Das QS-Verfahren Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET) betrachtet neben Pankreastransplantationen, Nierentransplantationen und kombinierten Pankreas-Nieren-Transplantationen, Patientinnen und Patienten die eine ambulanten oder teilstationäre Dialyse erhalten.

Die QS-Verfahren zum Follow-up betrachten das Überleben sowie z.T. auch die Organfunktion von Patientinnen und Patienten ein, zwei oder drei Jahre nach einer Transplantation.

Perinatalmedizin

Im Versorgungsbereich Perinatalmedizin geht es einerseits um die geburtshilfliche Versorgung von Mutter und Kind im Zeitraum kurz vor bis kurz nach der Geburt (Geburtshilfe). Andererseits wird die Versorgung und Behandlung von Neu- bzw. Frühgeborenen (Neonatologie) betrachtet.

Pflege

Ein Dekubitus ist eine durch länger anhaltenden Druck entstandene Wunde der Haut bzw. des darunterliegenden Gewebes. Er stellt eine sehr ernst zu nehmende Komplikation bei zu pflegenden Patientinnen und Patienten dar.

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