Transplantationsmedizin (QS TX)

Die QS-Verfahren Herztransplantation und Herzunterstützungssysteme (HTXM), Lungen- und Herz-Lungentransplantation (LUTX), Lebertransplantation (LTX), Leberlebendspende (LLS) und Nierenlebendspende (NLS) werden ab dem 1. Januar 2020 durch das QS-Verfahren Transplantationsmedizin (QS TX) ersetzt. Das Verfahren QS TX wird durch die "Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung" (DeQS-RL) geregelt.

Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zur Entlastung des Klinikpersonals verpflichtende Regelungen zur Qualitätssicherung modifiziert. Die hieraus für die Durchführung der QS-Verfahren in der Transplantationsmedizin resultierenden Änderungen sind in einem Informationsschreiben des IQTIG vom 27. April 2020 erläutert.

Auswertung und Rechenregeln: Lebertransplantation (LTX)

  • DeQS-RL

Das Modul Lebertransplantation betrachtet sowohl Transplantationen der gesamten Leber als auch Transplantationen, bei denen nur ein Teil des Organs transplantiert wird. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn es sich um das Organ einer Lebendspenderin / eines Lebendspenders handelt, kann aber auch erfolgen, wenn die Leber eines verstorbenen Menschen geteilt und zur Versorgung von zwei Patientinnen und Patienten verwendet wird (Split­Lebertransplantation).

Durchgeführt wird eine Lebertransplantation bei Patientinnen und Patienten mit chronischem oder akutem Leberversagen, dessen Ursache sehr vielfältig sein kann (z. B. alkoholische Leberzirrhose, Leberzellkarzinom oder chronische Virushepatitis). Für diese Patientinnen und Patienten stellt die Transplantation in der Regel die letzte Therapieoption dar. In den meisten Fällen haben die Patientinnen und Patienten zum Zeitpunkt der Transplantation bereits einen langen Leidensweg hinter sich, währenddessen auch die Funktion anderer Organe geschwächt werden kann. Es handelt sich bei Patientinnen und Patienten, die eine Lebertransplantation erhalten, also um schwerstkranke Patientinnen und Patienten, deren Behandlung sehr anspruchsvoll und daher nur interdisziplinär zu bewältigen ist. Auch der Eingriff der Transplantation selbst sowie die Nachbehandlung der Patientinnen und Patienten sind sehr komplex und mit vielen Risiken – insbesondere mit dem Risiko des Versterbens der Patientinnen und Patienten oder einer Organabstoßung – verbunden. Durch eine gute Versorgungsqualität in den Einrichtungen können diese Risiken zwar nicht gänzlich beseitigt, aber doch zumindest erheblich reduziert werden.

Auswertung und Rechenregeln: Leberlebendspende (LLS)

  • DeQS-RL

Das Modul Leberlebendspende betrachtet Patientinnen und Patienten, denen ein Teil der Leber für eine Leberlebendspende entnommen wird. Möglich ist dies zum einen dadurch, dass etwa ein Drittel der Leber ausreicht, um alle notwendigen Funktionen zu erfüllen.

Für die Spendenden besteht daher auch nach der Entnahme in der Regel kein dauerhafter gesundheitlicher Nachteil. Zum anderen besitzt die Leber erstaunliche regenerative Fähigkeiten, die nach der Entnahme dafür sorgen, dass die Leber wieder auf etwa die ursprüngliche Größe anwächst. Die Indikation für eine Leberlebendspende ergibt sich daraus, dass eine nahestehende Person der möglichen Spenderin / des möglichen Spenders eine neue Leber benötigt, jedoch kein passendes, postmortal gespendetes Organ rechtzeitig oder zeitnah zur Verfügung steht. In diesen Fällen bietet die Lebendspende eine Therapiemöglichkeit. Da der operative Eingriff für den Lebendspender dennoch ein nicht unerhebliches Risiko darstellt und dem Gesundheitszustand des Lebendspenders auch nach dem Eingriff in der Nachsorge eine hohe Priorität einzuräumen ist, werden diese beiden Aspekte in der externen Qualitätssicherung betrachtet.

Auswertung und Rechenregeln: Nierenlebendspende (NLS)

  • DeQS-RL

Das Modul Nierenlebendspende betrachtet Patientinnen und Patienten, denen eine Niere zum Zweck der Nierenlebendspende entnommen wird. Dies ist möglich, da die zweite verbleibende Niere die Funktion in ausreichendem Maß übernehmen kann.

Die Indikation für eine Nierenlebendspende besteht, wenn eine nahe stehende Person der möglichen Spenderin / des möglichen Spenders eine neue Niere benötigt, jedoch kein passendes postmortal gespendetes Organ rechtzeitig oder zeitnah zur Verfügung steht. In diesen Fällen bietet die Nierenlebendspende eine Therapiemöglichkeit. Da der operative Eingriff für den Lebendspender dennoch ein nicht unerhebliches Risiko darstellt und dem Gesundheitszustand des Lebendspenders auch nach dem Eingriff in der Nachsorge eine hohe Priorität einzuräumen ist, werden diese beiden Aspekte in der externen Qualitätssicherung betrachtet.

Auswertung und Rechenregeln: Lungen- und Herz-Lungen­transplantation (LUTX)

  • DeQS-RL

Eine Transplantation (von Teilen) der Lunge bzw. der Lunge in Kombination mit einer Transplantation des Herzens kommt aufgrund der Schwere des Eingriffs nur dann infrage, wenn es keine anderen Therapieoptionen für die bestehenden Erkrankungen gibt und die Patientin / der Patient ohne diese Transplantation eine nur noch sehr geringe Lebenserwartung hat. Bösartige Erkrankungen der Lunge sowie das Vorliegen weiterer, schwerer Erkrankungen anderer Organe sprechen gegen einen solchen Eingriff.

Voneinander zu unterscheiden sind alleinige (isolierte) Transplantationen der Lunge und kombinierte Herz­Lungen­Transplantationen. Bei Letzteren ist die Ausgangssituation der Patientin / des Patienten meist noch komplexer, d. h., die Patientin / der Patient befindet sich in einem insgesamt kritischeren gesundheitlichen Zustand im Vergleich zu Patientinnen und Patienten, die eine isolierte Transplantation der Lunge benötigen. Dies hat auch Einfluss auf das Überleben und den gesundheitlichen Zustand der Patientin / des Patienten nach der Transplantation, weshalb die Indikation zur kombinierten Herz­Lungen­Transplantation sehr eingeschränkt ist. Aufgrund der noch komplexeren Ausgangssituation dieser Patientinnen und Patienten wäre eine unabhängige Betrachtung der Herz­Lungen­Transplantationen zu erwägen. Aufgrund der sehr geringen Anzahl durchgeführter Herz­Lungen­Transplantationen wäre die statistische Aussagekraft einer gesonderten Auswertung jedoch sehr eingeschränkt.

Insgesamt ist die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer Lungen­ oder Herz­Lungen­Transplantation sehr anspruchsvoll und daher nur interdisziplinär zu bewältigen. Auch der Eingriff der Transplantation selbst sowie die Nachbehandlung der Patientinnen und Patienten sind sehr komplex und mit vielen Risiken – insbesondere mit dem Risiko des Versterbens der Patientinnen und Patienten oder einer Organabstoßung – verbunden. Durch eine gute Versorgungsqualität in den Einrichtungen können diese Risiken zwar nicht gänzlich verhindert, aber doch zumindest erheblich reduziert werden.

Auswertung und Rechenregeln: Herztransplantation (HTXM-TX)

  • DeQS-RL

Herztransplantationen stellen in der Regel eine letzte Therapieoption für Patientinnen und Patienten mit einer Herzinsuffizienz dar; ohne sie hätten die Patientinnen und Patienten nur noch eine geringe Überlebenszeit.

Bei einer Herztransplantation handelt es sich um ein mittlerweile etabliertes Behandlungsverfahren, das jedoch sehr komplex und mit vielen Risiken verbunden ist – insbesondere mit dem Risiko des Versterbens der Patientinnen und Patienten oder einer Organabstoßung. Durch eine gute Versorgungsqualität in den Einrichtungen können diese Risiken zwar nicht gänzlich verhindert, aber doch zumindest erheblich reduziert werden.

Auswertung und Rechenregeln: Herzunterstützungssysteme/Kunstherzen (HTXM-MKU)

  • DeQS-RL

Herzunterstützungssysteme und Kunstherzen dienen der Unterstützung des Herzens bei einer verminderten Pumpfunktion. Sie waren ursprünglich zur Überbrückung der mehr oder weniger langen Wartezeit bis zu einer Herztransplantation entwickelt worden.

Herzunterstützungssysteme und Kunstherzen gewinnen nun immer mehr an Bedeutung, da sie sowohl als vorübergehende Unterstützung dienen als auch die endgültige Therapieoption darstellen, wenn eine Herztransplantation medizinisch nicht oder nicht mehr möglich ist. Zudem sollen sie den irreversiblen Schäden als Folge der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz an anderen Organen (z. B. Nieren, Leber) vorbeugen. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung dieser Therapieform in der medizinischen Versorgung finden Herzunterstützungssysteme und Kunstherzen immer häufiger Anwendung. Unterschieden wird zwischen folgenden Systemen:

  • linksventrikuläres Herzunterstützungssystem (left ventricular assist device, LVAD): unterstützt die Funktion der linken Herzkammer und pumpt das Blut von der linken Herzkammer in die Aorta, es ist das am häufigsten implantierte System
  • rechtsventrikuläres Herzunterstützungssystem (right ventricular assist device, RVAD): unterstützt die Funktion der rechten Herzkammer und pumpt das Blut von der rechten Herzkammer in die Lungenarterie
  • biventrikuläres Herzunterstützungssystem (biventricular assist device, BiVAD): unterstützt die Funktion beider Herzkammern

Kunstherz (total artificial heart, TAH): vollständiger künstlicher Ersatz des Herzens

Spezifikation: Herztransplantation, Herzunterstützungssysteme/Kunstherzen (HTXM)