Dekubitusprophylaxe (QS DEK)

Ein Dekubitus, auch als Druckgeschwür, Dekubitalulcus oder Wundliegen bezeichnet, wird als lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes beschrieben, welche oft über Knochenvorsprüngen und infolge von Druck oder von Druck in Verbindung mit Scherkräften entsteht. Diese ernstzunehmende Komplikation tritt häufig bei zu pflegenden Patientinnen und Patienten auf und kann im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen und als Folge von Bewegungseinschränkungen entstehen.

Für die Betroffenen ist ein Dekubitus oft sehr schmerzhaft und geht in vielen Fällen mit einem hohen Leidensdruck und einer eingeschränkten Lebensqualität einher. Neben einer aufwendigen Wundversorgung können im Extremfall Operationen zur plastischen Deckung der entstandenen Haut­ und Weichteildefekte erforderlich sein. Aus ethischer und medizinisch-pflegerischer sowie aus ökonomischer Perspektive muss es daher ein zentrales Anliegen sein, Druckgeschwüren konsequent vorzubeugen (Dekubitusprophylaxe).

Die Dekubitusinzidenz (Anzahl der neu aufgetretenen Dekubitalulcera innerhalb einer Personengruppe) gilt international als ergebnisorientierter Qualitätsindikator in Bezug auf die Patientensicherheit, weil sie auch Rückschlüsse über im Krankenhaus angewendete Vorbeuge- und ggf. rechtzeitig eingeleitete Behandlungsmaßnahmen ermöglicht. Bei einer wirkungsvollen Prophylaxe können Dekubitalulcera zumeist verhindert werden. Ziel des QS-Verfahrens Dekubitusprophylaxe (QS DEK) ist daher die Verbesserung der Prozess- und Ergebnisqualität, damit möglichst wenig neue Dekubitalulcera entstehen.

Neben Druck-, Scher- und Reibungskräften können verschiedene patientenindividuelle Risikofaktoren, wie z.B. Mobilitätseinschränkungen, Diabetes mellitus oder demenzielle Erkrankungen die Entstehung eines Dekubitus begünstigen. Die Ausprägung dieser Risikofaktoren variieren zwischen den Leistungserbringern. Eine individuelle Risikoabschätzung in Form einer Risiskoadjustierung zur Berechnung der Qualitätsindikatoren ermöglicht einen fairen Vergleich der Ergebnisse.

Für einen möglichst geringen Dokumentationsaufwand seitens der Krankenhäuser erfolgt die Erfassung der Risikofaktoren von allen Patientinnen und Patienten über die Abrechnungsdaten. Dazu wird im Anschluss an das jeweilige Erfassungsjahr (EJ) von jedem Krankenhaus eine Risikostatistik erhoben. Diese enthält für jede vollstationär behandelte Patientin und jeden vollstationär behandelten Patienten ab 20 Jahren mit oder ohne Dekubitalulcera die Information, ob die berücksichtigten Risikofaktoren jeweils vorliegen oder nicht. Damit liefert die Risikostatistik auch die für das QS-Verfahren relevanten Information darüber, wie viele vollstationäre Patientinnen und Patienten im Krankenhaus behandelt wurden; diese bilden die Grundgesamtheiten im Verfahren.

Die aktuelle Risikostatistik des QS-Verfahrens Dekubitusprophylaxe finden Sie hier.

Auswertung und Rechenregeln: Dekubitusprophylaxe (DEK)

  • DeQS-RL

Die Indikatoren und Kennzahlen im QS-Verfahren Dekubitusprophylaxe betrachten ausschließlich die Häufigkeit der während des stationären Krankenhausaufenthalts bei Patientinnen und Patienten neu entstandenen Dekubitalulcera; die Daten des Erfassungsjahres 2020 sind der Bundeauswertung 2020 zu entnehmen.

Gegenstand des Verfahrens ist die Erfassung von Dekubitalulcera Grad/Kategorie 2 bis 4 oder nicht näher bezeichneten Grades / bezeichneter Kategorie bei Patientinnen oder Patienten ab 20 Jahren während des vollstationären Aufenthalts. Da in der Praxis oft Unsicherheit bezüglich der Abgrenzung eines Dekubitus Grad/Kategorie 1 von einer Hautrötung besteht, werden Dekubitalulcera dieses Grades/dieser Kategorie nicht im Verfahren betrachtet.

Die Unterteilung der Schwere der Hautschädigung wird nach den in der deutschen Version der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10-GM) abgebildeten Kategorien (L89.-) vorgenommen (siehe dimdi.de).

Spezifikation: Dekubitusprophylaxe (DEK)

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