Umsetzungskonzept zur Abbildung des Verlegungsgeschehens bei Frühgeborenen

Ziel des Projekts ist es, das Verlegungsgeschehen von VLBW (very low birth weight) auf der Webseite perinatalzentren.org abzubilden und im Rahmen der Darstellung der Ergebnisqualität der Standorte zu berücksichtigten. Sehr kleine Frühgeborene sind Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm. Sie sollen in spezialisierten Krankenhäusern (Perinatalzentren) geboren und versorgt werden. Am 19. Januar 2017 wurde das IQTIG mit der Erstellung eines Konzepts zur Darstellung des Verlegungsgeschehens auf perinatalzentren.org beauftragt.

Für die Durchführung wurden Sozialdaten bei den Krankenkassen beantragt und verwendet, da eine Verknüpfung verschiedener Fälle eines verlegten Kindes auf ausschließlicher Grundlage der dokumentierten Daten des QS-Verfahrens Neonatologie nicht vollumfänglich möglich war. Da verlegte Kinder bei der Darstellung der Ergebnisqualität auf perinatalzentren.org derzeit nicht berücksichtigt werden können, kann nicht eruiert werden, ob und wie häufig Verlegungen stattgefunden haben oder ob in späteren Krankenhausaufenthalten weitere qualitätsrelevante Ereignisse auftraten.

Der G-BA konnte sich den Empfehlungen des IQTIG zu einer Zuschreibung der qualitätsrelevanten Ereignisse zur erstbehandelnden Einrichtung nicht anschließen. Am 21. Oktober 2021 hat der G-BA die Veröffentlichung des Berichts zum Verlegungsgeschehen beschlossen und parallel dazu einen Begleittext veröffentlicht.

Eine Berücksichtigung dieser Ereignisse ist aus Sicht des IQTIG von hoher Bedeutung, da sich durch eine Verlegung die Ergebnisqualität der verlegenden Einrichtung wie auch der aufnehmenden Einrichtung relevant verändern kann. Zu diesen qualitätsrelevanten Ereignissen zählen die Indikatoren „30-Tages-Sterblichkeit“, die „Intraventrikuläre Hirnblutung (IVH) mit Operation“, die „Höhergradige Frühgeborenenretinopathie (ROP) mit Intervention“, „Erworbene intestinale Erkrankungen (ANID) mit Operation“ sowie der „Tod oder schwere Erkrankung“ (Kombination der vier erstgenannten Indikatoren). Ein wesentlicher Kernpunkt der Beauftragung ist dabei die Zuschreibungssystematik eines Indikators zu einer Einrichtung.

Für Verlegungen sind unterschiedliche Gründe denkbar: VLBW können im Rahmen von Notfällen nicht in der entsprechenden Versorgungsstufe geboren werden und müssen anschließend verlegt werden. Verlegungen dieser Kinder können auch im Rahmen von auftretenden Komplikationen oder aufgrund der Komplexität der medizinischen Versorgung stattfinden. Darüber hinaus können entsprechende Verlegungen auch durch Kapazitätsengpässe in den Einrichtungen, durch wohnortnahe Rückverlegungen nach überstandener Akutphase oder auch auf Wunsch der Eltern erfolgen.

Nach umfangreichen Literaturrecherchen, umfassenden statistischen Analysen und intensiven Beratungen mit externen medizinischen und Dokumentationsexperten wurde vorgeschlagen diese qualitätsrelevanten Ereignisse der erstbehandelenden Einrichtung, statt der Einrichtung zuzuweisen in der die Ereignisse erstmals beobachtet und dokumentiert wurden (aktuelle Regelung). Hintergrund dieser Überlegung war, dass die entsprechenden pathophysiologischen Ursachen der Entstehung dieser Ereignisse ganz überwiegend im Zeitraum um die Geburt herum und wenige Stunden danach zu suchen sind, aber oft erst sehr viel später klinisch manifest werden. Dabei zeigten sich insbesondere für Morbiditätsendpunkte sehr deutliche Unterschiede wenn qualitätsrelevante Ereignisse der erstbehandelnden Einrichtung, oder der dokumentierenden Einrichtung zugeschreiben wurden.

Umsetzungskonzept zur Abbildung des Verlegungsgeschehens bei Frühgeborenen

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